von Jonny
MITTELDISTANZ 2.0
Endlich war es so weit! Ich trat meine zweite Mitteldistanz an – verletzungsbedingt zwar ein Jahr später wie geplant, aber dankbarerweise durfte ich meinen Startplatz vom letzten auf das aktuelle Jahr übertragen. Die Vorbereitungsphase gut, aber ausbaufähig. Das Wetter frisch, aber nicht zu kalt. Die Motivation voll da! Die sollte auch nur kurzzeitig etwas gedämpft werden… Die Wechselzone war bereits gut voll mit den Mitteldistanzlern und durch die freie Platzwahl musste man sich erstmal zwischen all den bereits eingerichteten Rädern einen freien Platz suchen, der natürlich nicht da war. Nach zweimal auf und ablaufen schoben wir einfach bei den scheinbar größten Lücken die bereits hängenden Räder noch etwas weiter zur Seite und richteten uns ein. Erste kleine Krise überwunden… Sollte zum Glück aber auch die einzige bleiben.
Letztes Jahr konnte ich als Zuschauer supporten, anfeuern, erste Einblicke mitnehmen und den ein oder anderen Erfahrungswert der anderen aufschnappen. Von daher war ich relativ sicher was die Streckenführung und Rundenanzahl betraf – Lobenswert zu erwähnen wurde die aber auch sehr gut im Racebook des Veranstalters beschrieben.
Der Start um 08:30: zwei Runden im See mit Australian Exit. Bei der ersten Runde bin ich noch etwas weiter außen geschwommen um meine Ruhe zu haben, das waren halt ein paar Meter mehr. In der zweiten Runde war das Feld erwartungsgemäß schon gut auseinandergezogen und ich wählte jetzt den kürzesten Weg um die Bojen. Dieser Weg der Ideallinie war dann doch mit dem einen oder anderen Körperkontakt verbunden, war es aber wert.
Trotz Neo fühlte ich mich in Summe jedoch nicht so ganz geschmeidig im Wasser. Zu oft musste ich meine Schwimmrichtung korrigieren um die Bojen im Blick behalten. Ein passendes Paar Füße an dem ich mich einfach dranhängen kann habe ich genausowenig gefunden wie die schwarze Linie am Beckengrund. Nach fast 46 Minuten war der Teil zumindest schon mal geschafft. 
Das Radfahren: Ich habe es mir schlimmer vorgestellt. Ich weiß noch wie bei meinem allerersten Triathlon sich die 90 km nach viel mehr als 3 Stunden anfühlten. Heute war es zum Glück besser. Die 4 Runden kamen mir kurzweilig vor und auch wenn man die Anstiege jedes Mal mehr verflucht hat, freute ich mich andererseits immer wieder auf die Fankurven in denen gute Stimmung herrschte. Dank einem guten Verpflegungsplan blieb auch das Energielevel konstant. Auch wenn ich körperlich nicht das Bedürfnis danach hatte, zwang ich mich trotzdem regelmäßig Elektrolyte zu trinken, Gels zu lutschen und Riegel zu essen. Das war ein Learning aus dem letzten Jahr bei einem Event: Auch wenn ich mich noch gut fühle und meine nichts zu brauchen, trotzdem Energie nachkippen – in welcher Form auch immer!
So bog ich gut gelaunt über die pannenfreie Strecke in Richtung Wechselzone und wagte sogar erfolgreich den Flying Dismount – dem Koppeltraining sei Dank!
Das Laufen: Tja, schon fast 4 Stunden unterwegs und jetzt noch 20 Kilometer laufen. „Das wirste bestimmt gleich merken“, dachte ich mir. So startete ich die erste von 9 Runden um den O-See erstmal vorsichtig mit ner Pace von fast 5 Minuten. In der zweiten Runde wusste ich jetzt, dass auch hier so mancher An- und Abstieg zu Fuß kam und wurde die nächsten Runden progressiv schneller – immer mit der Erwartung, dass gleich „der Mann mit dem Hammer kommt“. Aber er kam nicht… Was die richtige Energiezufuhr so alles ausmacht… Stattdessen waren jetzt die TSV Kollegen an der Strecke und feuerten mich an. Das tat gut und die Interaktion mit ihnen brachte etwas Abwechslung in diesen kopfhörerlosen Longrun.
Und dann sah ich ihn: den rückenfreien Trisuit meiner Frau. Wie immer, wenn sie irgendwo vor mir läuft, kommt es mir ewig vor bis ich sie eingeholt habe. Manchmal denke ich sogar, dass sie schneller wird... Wie dem auch sei: Ich war erleichtert sie zu sehen, weil ich so wusste, dass auch bei ihr die vorherigen Disziplinen erfolgreich gemeistert wurden und es auch bei ihr gut „läuft“. Immerhin hatte sie eine persönliche Bestzeit als Ziel und wollte unter 6 Stunden finishen. Ein paar Worte haben wir noch gewechselt und dann startete ich in meine letzte Runde. Die wurde nochmal die Schnellste, aber auch / oder trotzdem die Bewussteste: Was machen die Knie? Der Rücken? Fußgelenke? Schulter und Nacken? Oberschenkel? Hm, alles gut… Keine Beschwerden oder Anzeichen, dass sich was meldet, wenn ich noch länger machen würde. Schön!
Mir war klar, dass ich heute deutlich schneller finishen würde wie vor 3 Jahren. Deswegen ging ich jetzt nicht noch extra in den roten Bereich, sondern verabschiedete mich dankend von dem einen oder anderen Helfer und Zuschauer die mich angefeuert haben, klatschte einige High-Fives ab und lief relativ entspannt mit meinen übrigen Kraftreserven ins Ziel. In Anbetracht der Idee vielleicht schon nächstes Jahr eine Langdistanz zu machen, sprach das heute auf jeden Fall dafür!





