von Jörg (5km)
„Nie wieder!“ – das war seit meiner letzten Teilnahme an einer Laufveranstaltung im Jahr 2016 mein festes Motto. Ein paar Wehwehchen hatten damals zu dieser Entscheidung geführt.
Da ich aber am Ende der letzten Triathlon-Saison laut gesagt hatte, dass ich mal wieder mitmachen möchte, kam ich nun um das Laufen nicht herum. Ein paar Trainingsläufe über 5 km hatte ich zwar schon absolviert, aber immer sehr langsam und streng nach Puls.
Nach ein, zwei Bier beim letzten Polterabend fragte ich Erik schließlich, ob noch Gutscheine für den Syker Hachelauf verfügbar seien. Das war zwar der Fall, aber die Online-Anmeldung war bereits geschlossen. Schicksal, dachte ich – soll wohl nicht sein.
D
och mit Silvias Unterstützung wurde ein frei gewordener 10-km-Platz für mich auf 5 km umgebucht, und schwupps – war ich doch dabei.
Mein Plan war eigentlich, ein leicht zügiges Trainingstempo anzuschlagen, was für mich eine Zielzeit von knapp unter 35 Minuten bedeutet hätte. Aber kaum war die Startnummer umgebunden, stiegen die Nervosität und die Anspannung. Zusammen mit Harm und Laura platzierte ich mich im hinteren Drittel der Startaufstellung; Silvia hatte sich etwas weiter vorne aufgestellt.
Nach dem Startschuss dauerte es etwa 30 Sekunden, bis ich die Startlinie überquerte. Langsam kam die Meute in Schwung und ich wurde einfach mitgerissen. Mein Puls war sofort am Anschlag, aber ich dachte mir: „Was soll’s, mach einfach weiter, solange es gut geht.“
Nach ein paar Minuten hörte ich hinter mir jemanden sagen: „Jetzt haben wir die Hälfte!“ Ich dachte nur: „Das stimmt doch gar nicht!“, bis der Zusatz kam: „... die Hälfte der ersten Runde.“ In diesem Moment tauchte Harm neben mir auf, der mit diesem Spruch Laura motivieren wollte. Laura meinte wiederum, ich sei ihr Tempomacher. Mit dieser Rolle hatte ich nach so langer Abstinenz nun überhaupt nicht gerechnet!
Ich selbst hängte mich hier und da an andere Läufer ran und konnte das Tempo in der ersten Runde gut halten. Beim Zieleinlauf nach der Hälfte der Distanz zeigte die Uhr knapp über 15 Minuten – deutlich schneller als erwartet!
In der zweiten Runde wollte ich das Tempo natürlich halten. Da sich das Feld inzwischen auseinandergezogen hatte, gab es mehr Platz und das Überholen fiel leichter.
Auf den letzten zwei Kilometern musste ich mich extrem konzentrieren, um nicht langsamer zu werden. Im Ziel blieb die Uhr dann sogar unter 30 Minuten stehen. Für mich ein fantastisches Ergebnis!
Ob es mit Blick auf meine Hüfte wirklich schlau war, an einer Laufveranstaltung teilzunehmen, sei mal dahingestellt – frei nach dem Motto „Nie wieder“.
Aber eines steht fest: Es hat riesigen Spaß gemacht!
von Lisa (10km)
Ich habe mir zwar nicht geschworen, nie wieder an einem Lauf teilzunehmen, aber meine Motivation war auf einem ganz niedrigen Level: Jonny nicht dabei, Rebecca nicht dabei und mein Pacer vom letzen Lauf (Stephan) war auch ausgeschossen.
Voller Hoffnung schrieb ich einige Tage vorher Alena an, um mich mit ihr zusammen zu tun, aber sie konnte aus gesundheitlichen Gründen schweren Herzens auch nicht mitmachen. Ich gebe zu, die Überlegung auch einfach nicht zu starten, ist mir auch ein, zwei mal durch den Kopf gegangen, aber ich hatte einen Titel als Vizekreismeisterin zu verteidigen…den wollte ich nur verlieren, wenn ich geschlagen werde und nicht, weil ich aus lauter Muffeligkeit nicht antrete. Also tat ich, was einem dieser furchtbar klischeehafte Spruch für kämpferische Frauen rät: Aufstehen, Krone richten, weiterlaufen.
Zum Glück konnte ich bei Erik und AJ im Auto unterschlüpfen. Das hat mir stimmungsmäßig sehr geholfen. Ein weiterer Lichtblick war, dass mich einige Tage vorher Richi angesprochen hatte, dass er mir gern den Pacer machen würde. Das fand ich gut, hab ich dankend angenommen.
Als wir dann beide am 9.5. nebeneinander schön weit vorne an der Startlinie standen, blieb mir nichts mehr zu sagen als: Strength and Honor.
Wir legten einen guten Start hin…besser ging nicht würde ich sogar behaupten. Da wir weit vorne starteten, gab es für uns keine Verzögerungen beim Durchlauf des Startbogens oder an den ersten Kurven. Wir kamen gleich gut in einen zügigen Rhythmus und arbeiteten uns nach vorne. Richi fegte mir stets den Weg frei, durch laute Vorsichts-Rufe und er machte mir den Rückspiegel an engen Kurven, weil ich stehst bemüht war sie so eng wie möglich zu laufen, um Zeit und unnötige Meter zu sparen. Außerdem rief er mir in regelmäßigen Abständen meine Pace zu. Es war die optimale Betreuung. Nach der ersten Runde rief mir Silvia zu, dass ich die 4. Frau bin. Optimistisch rief ich zurück, dass ich das noch aufhole…tat ich nicht .
Das wurde mir in der 2. Runde klar, als ich weit und breit keine Frau vor mir entdecken konnte, selbst wenn ich einen weiten Blick nach vorne hatte. Es hat mir allerdings auch nichts ausgemacht, da ich wusste, dass ich für mich persönlich einen neuen Rekord aufstellen würde, wenn nicht noch was ganz blödes passiert. Die vorletzte Runde wurde ab der Hälfte langsam mühselig. Kein Wunder, in so einem schnellen Tempo bin ich im Training nur für maximal 2km gelaufen. Beim Eintritt in die letze Runde wurde es langsam ekelig. Langsamer werden kam aber natürlich nicht in Frage. Ich konzentrierte mich darauf neben Richi herzulaufen. Reden war nicht mehr drin. Innerlich trieb ich mich an und sagte mir, dass nur noch lumpige 2km vor mir lagen. Eine kurze Welle der Übelkeit konnte ich ignorieren und mein Tempo beibehalten.
Als wir auf die Zielgerade bogen, hörte ich Richi neben mir fragen : "Wie wäre es mit einem Schlusssprint?"
Ich bin ja normalerweise immer dabei bei einem anständigen Zielsprint. Aber ich merkte schon, dass ich mich ziemlich verausgabt hatte und diesmal erfreute mich der Gedanke nicht, noch mal alles zu geben kurz vor Schluss.
Doch Richi zog das Tempo an. Nützte ja nichts, da musste ich hinterher. Tapfer setzte ich einen Fuß vor den anderen und plötzlich war diese Übelkeit wieder da…ziemlich stark…erschreckend stark…so stark, dass mir klar wurde, dass ich mich beim Zieleinlauf übergeben würde, wenn ich nicht doch noch etwas vom Gas gehen würde. Das wäre natürlich mal was Neues für ein Zielfoto. Das würde in Erinnerung bleiben. Aber es war mir dann doch lieber, wenn das ohne mein Gesicht geschehen würde, also musste ich das Tempo drosseln. Es hat mich ja letztendlich nur ein paar Sekunden gekostet und ich musste meinen Mageninhalt nicht vor halb Syke präsentieren.
Als ich die Zeit sah, durchflutete mich Stolz und große Dankbarkeit für Richi. Ich nehme deine Dienste gern wieder in Anspruch. Bei der Siegerehrung kam noch eine Überraschung: ich konnte meinen Vizekreismeistertitel in einen Kreismeistertitel umwandeln. Mit einer persönlichen Bestzeit von 45 Minuten und 12 Sekunden.
Mein Glück, dass die brutalen Zeiten der drei Frauen vor mir nicht für die Kreismeisterschaften gewertet wurden, da sie nicht zum Landkreis Nienburg/Diepholz gehörten.
Wie gut, dass ich nicht gekniffen habe :)




