Besucherzaehler  

Heute 26

Gestern 40

Woche 26

Monat 678

Insgesamt 127705

Aktuell sind 34 Gäste und keine Mitglieder online

Kubik-Rubik Joomla! Extensions

   

von Thorsten

Mein Saisonhöhepunkt ist am 30. August, ein Lauf halb um den Mont Blanc herum. Der Sachsen-Ultra-Trail (70 km, 1.800hm) sollte dafür der letzte Vorbereitungslauf unter Wettkampfbedingungen sein. Diese Generalprobe ist leider Misslungen.

Eigentlich passte Vieles an diesem Tag, umso ernüchternder war das Ende.

Am Tag vorher angereist, gut gegessen, einigermaßen geschlafen, ausreichend gefrühstückt. Fühlte mich fit. Die letzten Wettkämpfe waren erfolgreich. Das Wetter war super.

Sachsen TrialIch hatte einen klaren Race-Plan: vorsichtig angehen und ab Kilometer 47 schauen was noch geht.

Zunächst ging es 6 km bergab auf einem Mountainbikeparcours – das hat Spaß gemacht. Ich bin schön -wie geplant- im vorderen Mittelfeld gelaufen. Zwischendurch jedoch mit ausgestrecktem Bein in ein Loch getreten. Das hat im Hüftgelenk einige Unordnung gebracht (dazu später mehr).

Danach ca. 19 km mehr oder weniger bergauf. Anfangs bin ich auch hier verhaltener gelaufen. Zwischendurch jedoch ein herrlich schöner Abschnitt. Direkt auf der „grünen Grenze“ zwischen Tschechien und Deutschland. Quer durchs Unterholz. Dieses Stück bin ich mit einer Truppe gelaufen, die „zu schnell“ für meinen Plan war. Als es danach wieder bergab ging, habe ich aber wieder etwas Tempo herausgenommen.

Der Lauf sollte ein Test für die Alpen sein. Deshalb hatte ich mich für meine schweren Goretex Trailschuhe entschieden. Die haben super gepasst, keine Blasen, keine Druckstellen, vielleicht etwas zu schwer – zumindest für diesen Lauf (das Paar wiegt 865 g – meine Straßenschuhe wiegen 495 g). Konsequent habe ich jede Stunde ein Energiegel zu mir genommen und viel getrunken.

Auch der nächste Abstieg war problemlos. Mittlerweile war ich fast 37 km unterwegs. Alles bestens. Dann eine Abwärtspassage – über eine Länge von 10 km. NUR ASPHALT. Ich habe wirklich vieles probiert möglichst kräfteschonend diese Stück zu absolvieren. Kleine Schritte, Kurven auf der Straße. Nach jeder Kurve hatte ich die Hoffnung der Weg würde wieder in den Wald führen – es blieb jedoch Asphalt! Die Trailschuhe haben eine harte Sohle, damit keine Steine durchdrücken – damit auf Asphalt zu laufen ist nicht besonders schön (insgesamt wies die Strecke über 20 km Straßen aus – eigentlich zu viel für einen Trail).

Am tiefsten Punkt war der Kilometer 47 erreicht – und ein Verpflegungspunkt. Jetzt sollte/wollte ich eigentlich Gas geben. Aber hier merkte ich, dass dieser elende Abstieg irgendwie extrem an meinen Kräften gezerrt hatte. Hoffnungsfroh hat mich jedoch gestimmt, dass auch meine Mitläufer sich hier ausgiebig und in Ruhe stärkten.

Der folgende lange Anstieg war hart. Der klassische Kampf Körper gegen Kopf begann. Mental war ich gut drauf. Klar war, dass die Renntaktik nicht aufgegangen war – ich hatte keine Power für ein lockeres Finish, aber dennoch war ich optimistisch ein gutes Rennen zu machen. Doch obwohl mein Kopf fit war, gelang es mir nicht, wieder einen Gang hoch zu schalten. Wie fremdgesteuert legte ich sogar erste Gehpausen ein. Irgendwie wollten die Beiden (Kopf und Körper) heute nicht fighten. Oder hatte doch die Hüftstauchung einen Einfluss?

Kilometer 52 – ich hatte den Anstieg bewältigt. Dennoch blieb das schwerfällige Laufen.

Jetzt kam die erste Frau an mir vorbei. Die Empfehlung des Trainers: „Halte dich von Anfang an an die beste Frau, die überziehen nicht und können ihre Kraft gut einteilen“ – Hätte ich vielleicht einfach machen sollen!?

Ab Kilometer 57 ging es wieder runter. Mein Tempo: genauso langsam wie berghoch.

Kilometer 60. Verpflegungspunkt. Habe gut gegessen und ausreichend getrunken. Mein Magen machte keine Probleme. Die Sonne brannte (jedoch waren wir ja nun überwiegend im Wald unterwegs), mittlerweile war die Temperatur auf über 30°C angestiegen. Das machte mir aber nichts aus.

Bisher ein ganz normaler Ultra-Lauf

Bisher ein ganz normaler Lauf, mit Höhen und Tiefen. Insgesamt sollte es besser sein. Aber ich kann doch Kämpfen – das habe ich gerade bei den letzten Rennen gezeigt. Also auf geht’s die letzten 10 km!

Einen knackiger 2 km Anstieg auf einer MTB-Downhillstrecke galt es zu erklimmen. Doch völlig unerwartet, von einem Schritt zum nächsten -ohne Vorankündigung, ohne rebellierenden Magen- sagte mein Kreislauf „Tschüß“. Kreislaufprobleme hatte ich bisher noch nie! Schwindel, Gänsehaut, dann auch Übelkeit. Zum Glück liefen wir im Wald. Mit Mühe konnte ich mich am nächsten Baum festhalten. Es war keine vorübergehende Angelegenheit! Zwischenzeitliche Sitzpause. Von Baum zu Baum schlich ich den Hang hoch. Nach 40 Minuten war ich oben.

Hier war wieder ein Verpflegungspunkt. Mit einer Bank. 20 Minuten Rast gönnte ich mir. Spätestens jetzt war es ein Ultralauf, wie keiner zuvor. Es gab Bier(natürlich alkolholfrei), Cola, Pellkartoffeln. Sonne, den anderen Läufern zuschauen. War ganz nett. Der Kreislauf war wieder in Ordnung.

Nur die Muskeln waren leider genauso müde wie vorher. 8 Kilometer -vermeintlich wenige- lagen noch vor mir. Das demotivierende: Von hier konnte ich bereits die Musik und die Kommentatoren des Zielbereiches hören. Allerdings musste ich noch runter und wieder hoch (das Ziel lag AUF dem Rabenberg). Mit Trailrunning hatten meine Schlusskilometer nicht mehr viel zu tun. Es war überwiegend Walking.

Die ersten 47 Kilometer habe ich in 4:39 Stunden absolviert – für die letzten 25 Kilometer nochmals fast fünf Stunden.

Nach 9:37 Stunden hatte ich die 72 km und 1.895 Höhenmeter geschafft!

Fazit

Obwohl das Ergebnis ein anderes war, als ich geplant hatte, bin ich doch ganz froh, diese Erfahrungen gesammelt zu haben. Die Kreislaufprobleme waren eine neue Situation. Die mangelnde Krafteinteilung davor wurmt mich aber viel mehr.

Ende Juli stehen noch ein Alpenausflug mit der Familie und eine paar Testläufe am Mont Blanc an. Und dann kommt der 30.08.!

Heute hat der Körper gesiegt, am Mont Blanc wird mein Kopf gewinnen!!

Höhenmeter

   
© ALLROUNDER