von Kerstin
Bereits Anfang Dezember 2022 hatte ich mich für diesen Wettkampf angemeldet, bei dem die Deutschen Meisterschaften über die Mitteldistanz ausgetragen werden sollten – und die Monate bis zum vergangenen Wochenende genutzt, um mich akribisch darauf vorzubereiten.
Mit der entsprechenden Vorfreude ging es am Samstag dann auf die Reise in die Tagebau-Region „kurz vor Aachen“: eben ins Hotel, um das Auto auszuladen und danach zur Startunterlagen-Abholung und Wettkampf-Besprechung nach Aldenhoven.
Anschließend noch ein wenig „sight seeing“, um eine grobe Vorstellung vom Ablauf und den örtlichen Gegebenheiten zu bekommen: das Schwimmen findet im ca. 6km entfernten Blausteinsee statt, von dort geht’s mit dem Rad über zwei Runden in die zweite Wechselzone im Römerpark, von wo aus man schließlich zu 4 Laufrunden startet bzw. wo der Zieleinlauf ist.
Am Sonntagmorgen konnten wir noch im Hotel frühstücken und machten uns dann „mit Sack und Pack“ auf den Weg: logistisch war das Ganze etwas herausfordernd, weil man beide Wechselzonen erst morgens einrichten konnte und genau überlegen musste, was man jetzt wo braucht und mitschleppen muss – mit den Schwimmutensilien ging es dann per Rad, quasi als „Aufwärm-Runde“, zum See, wo die erste Wechselzone dann einzurichten war.
Die Wassertemperatur war mit 24,6°C ziemlich warm, aber noch knapp unterhalb der DTU-Grenze für ein Neo-Verbot für die Altersklasse-Athleten auf der Mitteldistanz. Die „Elite“ und Teilnehmenden der übrigen Distanzen mussten „ohne Pelle“ ins Wasser und ich haderte ein wenig, ob ich es auch ohne versuchen sollte – entschied mich dann aber doch für die Sicherheit, die der Neo mir nun einmal gibt.
Der Schwimmstart erfolgte als Wasser-Massen-Start mit dem gesamten Frauenfeld und den Männern der AK55 und älter und ließ sich recht gut an: es war gar nicht so furchtbar eng und unübersichtlich und ich kam schnell und gut in meinen Rhythmus – die Orientierung anhand der gelben Bojen gestaltete sich etwas schwierig ob der massiven Anzahl an gelben Badekappen, aber auch das klappte und so stieg nach für mich respektablen 42:04 Minuten aus dem Wasser.
Der Weg in die Wechselzone war recht lang und leider auch komplett bergauf, so dass der Puls nochmals deutlich nach oben ging. In der Wechselzone musste man nach dem Umkleiden in die Radmontur noch sicherstellen, dass man alle Utensilien inkl. des nassen Neos (!) in den Wechselbeutel stopft, damit dieser zur Ausgabestelle im Zielbereich transportiert werden kann.
Mit dem Rad in der Hand ging es dann, natürlich wiederum bergauf, zum Radaufstieg und dann lange Zeit flach und mit nur ganz wenig Wind hinaus über die Radstrecke.
Nach dem ersten Stück weg vom Blausteinsee ging es über zwei Runden mit vielen, langen geraden Passagen und zum Ende der Runde über das RWE-Kraftwerks-Gelände in Weisweiler: mit zwei fiesen 10%-Steigungen.
Auf dem Rad wollte es nicht so richtig rund laufen und die Beine gaben nicht das her, was ich im Training aufgebaut hatte – der Grund dafür mag das drückend-schwüle Wetter gewesen sein, das mir nicht nur im übertragenen Sinn Kopfschmerzen bereitete. Ich versuchte trotzdem, einigermaßen gleichmäßig zu pedalieren und mich noch nicht mit dem abschließenden Lauf zu beschäftigen.
Nach knapp 2:57:19 fuhr ich in die Wechselzone 2 ein und nutzte das restliche Wasser aus der Trinkflasche direkt noch zur Abkühlung, bevor es auf die Laufstrecke ging: hinaus aus dem Römerpark, vorbei am ersten Verpflegungspunkt, den ich gleich wieder zum Abkühlen/Auftanken nutzte und dann ging es zunächst durch die Straßen von Aldenhoven vorbei an zahlreichen gut gelaunten Zuschauern, unter einer noch von der Feuerwehr aufgestellten „mobilen Sprühanlage“ hindurch, hinauf zum zweiten Verpflegungspunkt, nach dem es dann „einsam“ wurde: es ging ca. 2.5km „im Quadrat“ auf einer groben Sand-Schotter-Piste um ein Getreidefeld herum, bevor es zurück in den Ort und zum „Ziel-Ein-/Durchlauf“ wieder in den Römerpark ging.
Immerhin war es bewölkt, so dass uns nicht die Sonne direkt das Hirn weggebrannt hat, aber mit ca. 28°C lagen die Temperaturen deutlich über meinem Wohlfühl-Bereich.
Anfangs der zweiten Runde musste ich an der Verpflegungsstation ein etwas längere Pause einlegen, weil mein Kreislauf ziemlich zu kämpfen hatte und es mir schon einmal deutlich besser gegangen war, aber nach einem Gel, einigen Bechern Wasser, die ich mir auf und in den Körper schüttete, trabte ich wieder an… ich hatte schließlich nicht 400km Anreise auf mich genommen, um dann vorzeitig die Segel zu streichen!
So absolvierte ich zunächst Runde 2, schließlich auch Runde 3 und dann war es ja auch schon fast geschafft… nach einem Lauf über 2:04:35 war ich nach insgesamt 5:53:54 Stunden im Ziel: völlig erschöpft und erst einmal glücklich, es tatsächlich bis zum Ende durchgezogen zu haben.
Diese Mitteldistanz war härter als der Ostseeman im letzten Jahr, obwohl ich da mehr als doppelt so lange unterwegs war… Rückblickend bin ich einerseits stolz und zufrieden, dass ich mich durchgebissen habe, andererseits aber schon auch ein bisschen traurig, dass ich meine Trainingsleistungen nicht im Wettkampf zeigen konnte. Immerhin hat es mit Platz 8 für eine Top-Ten-Platzierung in meiner Altersklasse bei den Deutschen Meisterschaften gereicht! (Bleibe ich halt weiter ungekrönte „Trainingsweltmeisterin“!)