von Kerstin
Als eine der wenigen genehmigten Triathlons in 2020 stand am vergangenen Wochenende „Die Hölle von Q“ auf dem Kalender – eine reine Mitteldistanz-Veranstaltung mit der kleinen Besonderheit, dass sie insgesamt fast 1600 Höhenmeter aufzuweisen hat. Geliebäugelt hatte ich schon im letzten Jahr damit, aber da war der Respekt noch zu groß… und in diesem Jahr war die „Verzweiflung“ über die ganzen ausgefallenen Wettkämpfe groß genug, um mich relativ kurzfristig für einen Nachrücker-Platz zu bewerben, den ich glücklicherweise dann auch ergattern konnte.
Nachdem wir erst vor zwei Wochen quasi einen Formtest beim „Stoneman“ absolviert hatten (siehe Bericht), der zu belegen schien, dass meine Beine die Höhenmeter schaffen können und einer Rad-Streckenbesichtigung am vorletzten Wochenende, wurde es nun also „ernst“: wir reisten bereits am Samstag an, weil sowohl die Startnummernausgabe als auch die Wechselzonen-Einrichtung bereits am Vortag des Wettkampfes erfolgen mussten – alles zeitlich durchgetaktet, um die Menschenansammlungen möglichst kontrolliert zu halten, und natürlich mit Maskenpflicht!
Der erste Schreckmoment war schon kurz nach unserer Ankunft im Hotel, als mir einfiel, dass ich zwei obligatorische Formulare (ein Gesundheitsfragebogen und eine Verzichtserklärung – Corona lässt grüßen), die bei der Startnummer-Abholung vorzulegen waren, ausgefüllt und unterschrieben Zuhause hatte liegen lassen! Zum Glück konnte ich die Hotel-EDV nutzen, um diese nochmals auszudrucken – allerdings stellte sich dann heraus, dass sie auch im Check-In-Bereich noch ausgelegen hätten…
Für die Einrichtung der Wechselzonen gab es zwei Klappboxen, die jeweils mit den benötigten Utensilien zu füllen waren: die Box für die WZ1 nach dem Schwimmen also alles fürs Radfahren, die zweite Box für die WZ2 im wesentlichen mit den Laufschuhen und etwas Verpflegung für die Laufstrecke; diese zweite Box wurde dann an einem Lkw wieder abgegeben und zur WZ2 in Thale transportiert.
Nachdem wir das Rad noch provisorisch mit einem gelben Sack einigermaßen regensicher und die Box in die bereitgestellte blaue Mülltüte verpackt hatten, zogen wir also erst einmal von dannen… um noch kurz die WZ2 in Augenschein zu nehmen, die aber zu dieser Zeit lediglich ein Parkplatz eines Supermarkt-Komplexes war und nur einige Absperrgitter am Rand davon zeugten, dass da wohl noch etwas aufgebaut werden würde.
Die Nacht war überraschend erholsam, auch wenn der Wecker gegen 04:30 Uhr klingelte… ein bisschen „Riegel-Frühstück“ und dann mit den Schwimmutensilien und gefüllten Trinkflaschen auf zum Startbereich in „Otts Garten“ in Ditfurth (Namensähnlichkeiten mit Vereinsmitgliedern sind rein zufällig) – wo es noch stockfinster war, aber der klare Sternenhimmel ließ auf schönes Wetter für den Tag hoffen!
Nachdem die Trinkflaschen am Rad verstaut waren, blieb ausreichend Zeit, sich die Gegebenheit vor Ort nochmals anzusehen und nach und nach trudelten auch immer mehr AthletInnen ein und das „Rahmenprogramm“ begann… ziemlich zeitig mit der Ansage der „offiziellen Wassertemperatur“ von 19,2°C – was die Nutzung des Neos erlaubte und bei 9°C Außentemperatur und einiger Zeit, die man vor dem Start barfuß „rumsteht“, gar nicht mal so kalt ist.
Das war eine meine größten Sorgen gewesen: wie werde ich mit dem „Kaltstart“ im Wasser zurechtkommen!? Wie sich herausstellte, ging das ganz hervorragend… es gab einen „rolling start“, bei dem immer nur 4 AthletInnen gleichzeitig ins Wasser gingen, so dass es nicht das übliche „Hauen und Stechen“ gab und ich, nach einigen ersten Brustschwimm-Zügen, ziemlich schnell meine Atmung im Griff hatte, „ganz entspannt“ losgekrault bin und mich wie Bolle gefreut habe, dass mir das so gut gelungen ist.
Während des Schwimmens hatte ich quasi schon die ganze Zeit ein Grinsen im Gesicht: die Brille war dicht, die Züge waren ruhig und lang (!) und östlich über dem See kam die Sonne hervor – herrlich! Nach 2km erfolgte mein Schwimmausstieg nach 44 Minuten, was für meine Verhältnisse schon recht ordentlich ist… im Laufschritt den Neo schon mal bis auf die Hüfte runter und dann „übertrocknen“:
Haare abrubbeln und unter einem Tuch „warm einpacken“, Helm drauf, Brille auf die Nase, ein angerautes Langarm-Shirt (schließlich war es immer noch erst kurz vor 8:00 Uhr und recht frisch), Socken und Schuhe, Handschuhe und raus auf die Radstrecke – die ich ja schon kannte und somit wusste, was mich erwartet: die ersten 30km rollt es so vor sich hin, bevor es dann bis km39 moderat bergauf geht – wunderschön durch den Wald, im Schatten, so dass ich froh war, das langärmlige Trikot anzuhaben… zumal es dann auf den 3-4kmm bergab nach Thale relativ viel Fahrtwind gab – der Straßenbelag dort ist eher abenteuerlich, aber nachdem ich das Stück in der vorigen Woche bereits zwei Mal gefahren hatte, wurden „keine Gefangenen gemacht“… 6:59 Minuten für 4,63km, in der Spitze 66km/h und für einen Moment kam Tour-de-France-Feeling auf, als ich nur noch das Fotografen-Motorrad mit Warnblinker vor mir hatte.
Nach der Abfahrt ging es dann zunächst kurz flach durch Thale und dann in den Aufstieg nach Friedrichsbrunn, der zwei Mal gefahren werden muss – die ersten 3km geht es mit 12-14% fast ausschließlich bergauf, dann geht es noch ca. 5km in Wellen bis zum Wende- & Verpflegungspunkt in Friedrichsbrunn: dort habe ich mir dann kurz Nachschub an Wasser geholt, weil die erste Flasche fast leer war, was quasi der Verpflegungs-Marschroute entsprach, bereits frühzeitig ausreichend zu essen/zu trinken, was mit einem Riegel und einem Gel-Wasser-Gebräu in der zweiten Trinkflasche gut gelungen war. Das schöne an Bergen ist, dass es meist/immer auch wieder bergab geht – also, zurück von Friedrichsbrunn nach Thale und es kamen mir ausreichend AthletInnen entgegen, sei es auf ihrer ersten oder manche auch schon auf der zweiten Runde. In Thale musste man dann ein Straßen-Dreieck durchfahren, an dessen Ende es dann links rum auch gleich wieder bergauf in den Anstieg für die zweite Runde ging… aber die Beine
fühlten sich gut an und mit einer adäquaten Ausrüstung kommt man auch ein zweites mal in Friedrichsbrunn an – erwähnenswert ist hier noch, dass es selbst mitten im Wald einzelne Zuschauer an der Strecke gab, die einen aufgemuntert haben.
Von Friedrichsbrunn aus, hieß es dann noch einmal den Berg hinab sausen, den letzten Kilometer in lockerem Drehmodus die Beine aufs Laufen vorbereiten und rein in die Wechselzone, die sehr professionell betreut wurde: bei Ankunft wurde die Startnummer laut aufgerufen und ein Helfer/eine Helferin zeigte den Weg zum Rad – kein Herum-Geirre, wie sonst manchmal. Helm & Tuch ab, Jacke und Handschuhe aus, Schuhe gewechselt und nach 3:34 Stunden auf dem Rad ging es ab auf die letzten 21km des Tages.
Zunächst durch Thale und schon nach gut eineinhalb Kilometers konnte man das erste Mal ahnen, dass diese Strecke auch nochmal anspruchsvoll sein würde: es ging mal gleich einen Anstieg auf Kopfsteinpflaster hoch, danach dann aber erst einmal ein wenig abflachend an der Bode entlang zum ersten Verpflegungspunkt… die aufgenommene 0,5l Wasserflasche war auf dem nächsten Streckenabschnitt ein guter Begleiter, ging es auf den folgenden knapp 7 Kilometers in einem beständigen Auf und Ab rund um die „Warnstedter Teufelsmauer“ – auf Feld-, Wald- & Wiesenwegen bzw. häufig auch über holpriges, steiniges Gelände. Bei km 9 an der Mühle in der Weddersleben gab’s nochmal einen Becher Wasser und das nächste Zwischenziel war das angekündigte „Stimmungsnest“ am Marienhof – dort war in der Tat eine Menge los: eine kleine Musik-Kapelle, jede Menge (maskierte) Zuschauer und wiederum eine Flasche Wasser und zwei Apfelspalten, die zusätzlich zu den „Gummibärchen“ (Gel-Bloks) für die nötige Kraft sorgen sollten – mehr als die Hälfte der Strecke war schließlich schon geschafft und umzukehren, wäre blöd gewesen.
Anschließend ging es wieder auf ein herrliches Stück direkt entlang der Bode, teilweise beschattet, aber teilweise auch in der prallen Sonne, die es gut mit uns meinte… ich überholte ein, zwei Läufer, die ich zum Weiterlaufen animieren wollte, die aber leider von Krämpfen geplagt waren und gehenderweise dem Ziel entgegen schritten – bei mir lief es gerade auf diesem Abschnitt ziemlich gut und ich war schon ein bisschen skeptisch, ob ich das so durchhalten würde/könnte, aber langsam kam Quedlinburg in Sicht. Bei km 18 gab es die letzte Verpflegungsstation und danach wurde es dann nochmal ein bisschen teuflisch: erst ging es auf einem Zick-Zack-Kurs mit einer Schleife über den Hof der St. Servati-Kirche (Kopfsteinpflaster, mit zweistelliger Steigung) und danach dann halbwegs flach, aber immer schön „holperig“ Richtung Ziel: an der Straße namens „Hölle“ war dann tatsächlich der Teufel hinter mir her und hat mir für die letzten paar hundert Meter nochmal Beine gemacht und schließlich war das Ziel erreicht:
nach 6:27:05 Stunden! Was für ein Tag – die „Hölle von Q“ ist absolut empfehlenswert… wenn man Höhenmeter mag.