von Helge, unserem Familientriathlon-Fotografen
Es ist Montag. Der Montag danach. Nach Barrien. Nach der RTF. Nach der weltberühmten „Butterkuchenfahrt"!
Dank der Ausdauersparte des TSV Schwarme war ich nun endlich auch einmal dabei. Ich, ein Triathlet (Anfänger) der aus Prinzip ausschließlich allein trainiert, bei einer Massenfahrt! Kann das gut gehen? Es kann und es war toll!
Nach anfänglicher Ausredeversuche meinerseits hatte Jörg mich dieses Jahr überzeugt teilzunehmen, er kann sehr überzeugend sein. Meine erste RTF, 75km sollten es werden. Was für Jörg eine normale Trainingseinheit mit Gruppenfahrt darstellte, löste bei mir große Besorgnis aus.
Sind da nicht nur Profis? Ich kann doch noch gar nicht in der Gruppe fahren! Das ist mir zu schnell! Kann ich nicht einfach alle losfahren lassen und langsam hinterherfahren?
Nun, Jörg löste das alles auf indem ich einfach mitten ins Starterfeld gestellt wurde und fahren sollte. Und siehe da, keine Massencrashs beim Start und ich habe nicht das gesamte Peloton zum Umkippen gebracht. Nein, ich war auf einmal mitten in einem Meer von Radfahrern... wir fuhren. Und wie!
Ein schönes Gefühl. So schön, dass man begeistert mitstrampelt und fast nicht bemerkt wie schnell es doch vorrangeht. Ein kurzes „Schau mal auf deinen Tacho" von Jörg machte mir klar was gerade passierte. Knappe 38 km/h! Herrje, wie schnell man hier doch mitgezogen wird.
Erste Lektion: Nicht zu schnell am Anfang, das rächt sich am Ende.
Nachdem ich mich einigermaßen akklimatisiert hatte und fröhlich vor mich hin kurbelte passierte auch schon der erste Unfall, wenige Meter vor mir ein Sturz aus dem Nichts. Kurze Vollbremsung, Ausweichen, ein kurzes „alles ok?" und weiter rollt das Feld. So was passiert halt, höre ich die Leute sagen. Also konzentriere ich mich wieder und fahre weiter. Leider ohne Jörg, der ist weg. Klar, einmal nicht aufgepasst und schon verliert man sich.
Die zweite Lektion vor Augen versuche ich weiter mit dem Feld mitzuhalten: Immer aufmerksam und bremsbereit sein!
In der festen Überzeugung Jörg müsse irgendwo vor mir sein schickte ich mich an zur großen Gruppe vor mir aufzuschließen. Aufschließen! Wenn man bereits aus dem Windschatten heraus ist. Fast ein Ding der Unmöglichkeit, wie ich feststellen musste!
Tief im Unterlenker hängend mit Puls am Anschlag und schwer keuchend versuchte ich heranzukommen und brauchte dafür gefühlt eine Ewigkeit. So langsam verstand ich den Drang zum Gruppenfahren, das unbedingte Halten im Windschatten. Fast daran zweifelnd jemals wieder heranzukommen spürte ich auf einmal eine Hand im Rücken und Vorwärtsschub... Jörg war wieder da! Und sein kleiner „Schubs" mobilisierte meine letzten Reserven und schon waren wir wieder an der Gruppe. Endlich wieder Windschatten, endlich wieder den Puls unter 170 bringen.
So erfuhr ich die dritte Lektion: Nicht den Anschluss an die Gruppe verlieren!
Das gilt natürlich nur wenn das Tempo der Gruppe passt. Und das passte zwar, nur nicht so recht zu mir. Was mir wiederum mir gar nicht so recht passen wollte! Aber ich musste einsehen dass ich mich hier nicht für 75km würde halten können.
Also gaben wir diese Gruppe auf und ließen uns zurückfallen. Was eine gute Idee war, denn weiter hinten trafen wir auf Erik, Anton und Kristina. Und kurz darauf war auch schon die erste Verpflegungsstation heran. Butterkuchen! Die Lektion hier: Immer 2 Stücken mit der Oberseite zusammen greifen. Das bedeutet mehr Butterkuchen und lässt die Finger weniger kleben! ;-) Viel Zeit war jedoch nicht, wir hatten ja Strecke zu machen.
Von hier an ging es mit einer 6er Kerngruppe um Jörg, Erik, Anton und Kristina weiter. Einige Fehler meinerseits ließen sich nicht vermeiden, gingen aber stets glimpflich aus. Ich empfehle stets die Spur zu halten und keine Wasserflaschen durch die Gegend zu werfen, man macht sich nicht beliebter mit sowas! Ansonsten ging es prima voran. Mal wurden wir von anderen begleitet, mal sammelten wir versprengte Einzelfahrer ein. Ein guter Flow setzte ein und die Fahrt lief immer besser. Ja, in so einer Gruppe lässt sich das alles Aushalten.
Somit zeigte sich die letzte und wichtigste Lektion: Lange Radstrecken sind in der Gruppe wesentlich angenehmer!
Der Rest der RTF war, kurz gesagt, eine nette Fahrt mit netten Leuten. Mal kurz im Wind, fast sterbend. Mal hinten in der Gruppe, plaudernd. Anstrengend war es zwar schon mit ausgelaugten Beinen, steifem Rücken und schmerzenden Händen... aber selten war eine sportliche Herausforderung so angenehm wie diese, meine erste RTF!
Ich werde wohl nicht zum Radrennfahrer, aber diese erste RTF wird sicher nicht meine letzte bleiben.
Werde ich jetzt häufiger in der Gruppe trainieren? Nein, dafür ist mir die Zeit allein mit mir selbst und meinem inneren Schweinehund zu wichtig und der Triathlon für mich zu sehr Einzeldisziplin.
Werde ich nächstes Jahr wieder dabei sein wenn der Butterkuchen lockt? Mit Sicherheit! Am liebsten mit den Ausdauersportlern des TSV Schwarme.
Danke an Jörg für's an die Hand nehmen und an all die anderen für die Geduld mit dem „Erstling".
Helge