© (c) copyright by TSV-Schwarme

von Thorsten

Einige lange Läufe habe ich ja schon gemacht, aber an so „schmerzende“ Oberschenkel und Waden am Tag danach kann ich mich nicht erinnern. Zum Glück sind es nur die Muskeln. Fußgelenke, Knie, Hüfte – alles schmerzfrei. Keine Scheuerstellen, keine Blasen an den Füßen.

Die BC – ein 80 km Lauf von Göttingen mit Ziel auf dem Brocken. Im Harz war der Untergrund zum Laufen durchaus anspruchsvoll. Am besten war noch der durch viele Wanderer festgetretene Schnee von Oderbrück bis auf den Brocken. Die 30 km davor eher unangenehm. Die oberste Schicht Pulverschnee, darunter jedoch Löcher, Lunken, Spuren, die man nicht sehen konnte. Ein ziemliches Gewackel beim Laufen.

Die ersten 40 km von Göttingen nach Barbis waren gut zu Laufen – überwiegend Asphalt und Forstwege. Ansonsten sehr gute Bedingungen. Leichte Minusgrade aber kein Wind. Selbst auf dem Brocken windstill. Die Winterlandschaft im Harz war sehr schön. Es fehlte zwar etwas die Sonne, dadurch wirkte die Szenerie aber sehr mystisch und hatte auch ihren Reiz.

Der Reihe nach:
Freitagabend (15.02.) Startnummernausgabe und Briefing in Göttingen. Abgabe des Dropbags für den Brockengipfel. Für mich gab es nicht ganz viele neue Informationen. Dennoch gehört diese „Einführung“ irgendwie zu der BC dazu.
Die Veranstaltung wird ehrenamtlich organisiert. Die Startgelder gehen vollständig als Spende zu gemeinnützigen Institutionen.
In diesem Jahr war Hendrik als Supporter mit dabei und ich glaube er kann bestätigen, dass es einen ganz besonderen BC-Spirit gibt.
Schnell noch Nudeln gekauft und dann sind wir nach Mackenrode in die (fast fertige) Ferienwohnung von meinen Geschwistern und mir gefahren. Gut gegessen. Viel getrunken (Wasser). Klamotten bereitgelegt. 22 Uhr im Bett. Ich habe gut geschlafen.

BC StirnlampenSonnabend (16.02.) klingelte um 4 Uhr der Wecker. Porridge und Kaffee, eine Magnesium Brausetabelle aufgelöst. Trinkflaschen aufgefüllt. Laufrucksack gepackt. Letzter Wettercheck. Angezogen. Kurze Laufhose!
5 Uhr Abfahrt zum Start nach Göttingen.
Die Beine und Knie ordentlich mit Melkfett eingerieben. Obwohl alles optimal lief, die Stimmung gut war, ich weder erkältet noch sonstige Wehwehchen hatte (also keine Ausreden), schwang bei mir ein wenig Angst mit.
Im letzten Jahr war die BC mein erster Lauf den ich abbrechen musste. Was kann in diesem Jahr passieren?

Um 6 Uhr ging es los. Und innerhalb von wenigen Sekunden war die Angst verschwunden. Lockeres Laufen im dunklen Wald, bei perfekten Temperaturen, gute Klamotten. Nur noch Freude auf das was vor mir lag!
Nach 30 Minuten war ich dann laufend wieder in Mackenrode. Kurzes Abklatschen mit Hendrik, der es rechtzeitig mit dem Auto von Start wieder hierher geschafft hatte. Die Taktik in diesem Jahr: die ersten 40 km bis Barbis langsamer als in allen Vorjahren laufen. Ich habe mich strikt an meinen Pulswerten orientiert. Der Zeitplan ging exakt auf. Nach 3:46 Stunden war ich in Barbis am Harzrand.

BC SchuhBisher wirklich locker und dennoch lag ich an zweiter Position. In Barbis war wieder Hendrik da. Wechsel auf Crossschuhe (hier schon mal ein Dank an Hendrik, verrückterweise hatte ich kurz überlegt die Straßenschuhe an zu lassen, ging ja bisher gut – das wäre dann ein Desaster geworden.
Hendriks klarer Hinweis: „jetzt kommt der Schnee“, änderte meine Meinung dann doch recht schnell.). Trinkflaschen und Gels aufgefüllt und mit einer sehr kurzen Aufenthaltszeit ging es jetzt stetig bergan Richtung Brocken.
Nach wenigen Metern kam dann schon die geschlossene Schneedecke. Im letzten Jahr merkte ich bereits kurz hinter Barbis ein ziemliches Kraftdefizit. Diesmal war alles super (naja besser).
BC Thorsten11,5 km nur stetig bergauf. Verpflegungspunkt Jagdkopf. Hier musste ich dann doch kurz durchatmen und eine Brühe trinken. Der berüchtigte, als „Entsafter“ genannte Streckenabschnitt lag hinter mir. Ich kannte ihn gut und dennoch – wieder sehr kräftezerrend. Am VP überholte mich die erste Frau, BC Gewinnerin 2023 und erfahrene Ultraläuferin. Der Schnee war knöcheltief. Vor uns nur die Spuren des Führenden. Ich lief wieder heran und vorbei – der Abstand blieb jedoch minimal.

VP Lausebuche; km 53,8. Im letzten Jahr war ich hier schon ziemlich durch. Leider kamen die Gefühle wieder hervor. Der letzte Wegabschnitt hat ganz schön Kraft gekostet. Ich zog jetzt Spikes über die Schuhe. Kurz durchatmen. Die führende Frau überholte mich am VP. „Nur“ 5,4 km bis zum nächsten VP. Im Vorjahr musste ich hier Aussteigen. Auch heute war ich nicht viel schneller als im Vorjahr. Von hinten kam ein Läufer – deutlich schneller als ich. Sonst jedoch weit und breit niemand zu sehen. Anscheinend hatten wohl auch andere Läufer mit dem fordernden Untergrund zu kämpfen.

VP Königskrug, km 68,5. Zur Sicherheit zog ich jetzt doch Beinlinge an, musste dazu kurz die Schuhe und Spikes ausziehen. Das war gefühlt eine notwendige kurze Pause. Zwei Läufer überholten mich am VP. Nach dem VP ging es gleich wieder steil hoch. Relativ locker lief ich wieder an den beiden Läufern vorbei – die bei der Steigung nur noch gehen konnten.

Oderbrück, km 72,4 der letzte Verpflegungspunkt vor dem Brocken. Diesmal nur ganz schnell ein wenig Wasser nachgefüllt und ohne große Standzeit sofort weiter – nur noch 370 Höhenmeter zum Ziel. Nur noch 7,6 km!
Nach dem ersten Viertel der Strecke sah ich dann Hendrik. Mit schwerem Rucksack lief er ein großes Stück mit mir mit. Das war gut, lenkte nochmal ab. Tatsächlich kam bei mir erst jetzt das Gefühl auf „es kann nichts mehr passieren“ – ich komme ins Ziel.„Yippie“ rief ich aus Leibeskräften und freute mich auf das Finish!

An der Ziellinie stand Petra, die ebenfalls auf den Brocken gewandert war, nur Minuten später war auch Hendrik oben.
Ich hatte es geschafft! Ein Stück Arbeit war es dann doch. Aber die Freude war riesig!
BC Team
Der Goethesaal auf dem Brockengipfel war für die Läufer und deren Begleitung reserviert. Dusche. Gutes Essen und eine Massage. Wir drei haben uns eine ganze Zeit dort aufgehalten und jeden ankommenden Läufer beklatscht. Auch dieses „Finale“ macht die BC zu etwas Außergewöhnlichem.
Um 16.30 Uhr haben wir uns auf die Wanderung zurück nach Oderbrück gemacht, wo unsere Autos standen. In der langsam aufkommenden Dunkelheit haben wir Läufer angefeuert, die noch einige Meter vor sich hatten.

BC 2025: schön war es. 8:41 Stunden habe ich für die 80 km und fast 2.000 Höhenmeter von Göttingen auf den Brocken gebraucht. 40 lockere Kilometer. 33 sehr schwere Kilometer und 7 sehr versöhnliche Kilometer.

Von ca. 200 Teilnehmer waren zwei Männer und eine Frau vor mir im Ziel.
Vielen Dank an Martin für die gute Trainingsplanung, vielen Dank an die Trainer für die tollen Trainingsangebote, die wir im Verein haben. Vielen Dank für die vielen Glückwünsche. Und vielen Dank an Hendrik und Petra für die Unterstützung und dass ich meine Freude mit euch auf dem Brockengipfel teilen durfte!

BC Feuer