von Thorsten

Am 28.04.2019 bin ich um 8.30 Uhr mit ca. 500 Läufern zur Harzquerung (51 km) gestartet. Von Werningerode am Nordrand bis Nordhausen am Südrand des Harzes. Die Streckenführung ging mit Absicht möglichst allen befestigten Straßen aus dem Weg. Entsprechend war es ein anspruchsvoller Crosslauf mit vielen Bergauf- und Bergabpassagen. Es war ein Lauf vor der wunderschönen Mittelgebirgskulisse des Harzes. Eine wirklich tolle Strecke! Bei bestem Wetter! Petra versuchte mit dem Auto hinterher zu kommen, um mich an verschiedenen Streckenabschnitten anzufeuern.

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Mein heutiges Ziel war jedoch nicht Sightseeing und (nicht nur) die Natur bewundern, sondern die Strecke möglichst schnell zu absolvieren. Entsprechend gut vorbereitet und fokussiert bin ich gestartet. Das begann schon damit, dass ich mich direkt vorne an der Startlinie positionierte, um bei den schmalen Wegen Überholvorgänge zu vermeiden. Die Herausforderung ist, die eigenen Leistungsreserven so zu steuern, dass ein dynamischer Lauf dabei herauskommt, die „Körner“ aber auch noch für den Schlussanstieg kurz vor Nordhausen reichen.

Direkt nach dem Start war erstmal ein langer (ca. 5 km) Anstieg mit ungefähr 300 Höhenmetern zu bewältigen. Danach schöne Passagen. Tolle Singletrails. Hier konnte ich meine Stärke –das Laufen auf technisch anspruchsvollem Untergrund- gut ausspielen. Rasant bin ich über die Wurzeln und Steine geflogen – das hat Spaß gemacht.

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Ich hatte ein Laufweste mit zwei 500ml Trinkflaschen und Energiegels dabei. Die ersten drei (!) Verpflegungsstationen nach ca. 12 / 18 und 30 km habe ich ausgelassen und konnte dadurch noch weitere Plätze gut machen. Das war zunächst eine neue Erfahrung, denn selbst bei kürzeren Distanzen freut man sich eigentlich auf die Verpflegungsstationen mit der vielfältigen Essen- und Getränkeauswahl. Bei Kilometer 30 begann ein SEHR langer Abstieg. Wenig technisch, viele Forstwege - gut zu laufen, aber gerade das geht unfassbar auf die Oberschenkelmuskulatur. Der begrenzende Geschwindigkeitsfaktor ist die Schmerztoleranz.

Bei Kilometer 35 war diese erste Tortur zu Ende. Und jetzt sollte es wieder lang und stetig bergauf gehen. Diese Passage hatte ich mir jedoch am Ostersonntag bereits angeschaut. Dass das heute nicht mehr so locker geht war mir klar. Deshalb hat Petra mir direkt vor dem Anstieg auch meine Stöcke gegeben. Jetzt war eher Speedhiking als Trailrunning angesagt. Aber das war o.k. – lief eigentlich noch nach Plan. Die Stöcke waren zu diesem Zeitpunkt eine schöne Abwechslung.

Doch jetzt zuckten meine Waden. Was gegen Krämpfe hilft ist Salz. Gehört eigentlich zum Basis-equipment beim Ausdauersport – hatte ich aber leider nicht dabei. Am höchsten Punkt auf dem Poppenberg war eine Verpflegungsstation. Auf den ersten Blick konnte ich kein Salz sehen – danach gefragt habe ich auch nicht. Wäre aber besser gewesen, denn jetzt ging es über 350 hm wieder runter – und jetzt war Vorsicht geboten. Beide Waden krampften stark. Ziemlich unrund bin ich dann bei der letzten Verpflegungsstation angekommen. 43 km lagen hinter mir. SALZ rief ich und ich bekam es! Jetzt verweilte ich zum ersten Mal etwas. Schleckte das Salz aus meiner Handfläche, trank Wasser und einen Schluck Cola und dann ging es weiter auf die letzten 8 km.

Jetzt kamen nur noch vermeintlich kleine Anstiege, keine 50 hm – aber das war zu diesem Zeitpunkt doch SEHR anstrengend. Ein Läufer flog recht locker an mir vorbei – ich hatte bergauf NICHTS entgegen zu setzen. Doch die Anstiege waren zum Glück nicht lang und auf dem ebenen Terrain konnte ich wieder aufholen. Keine 5 km mehr und ein weiterer Läufer kam von hinten. Doch jetzt war der letzte Anstieg Geschichte und ich musste nur noch meinen Rhythmus finden, um ins Ziel zu kommen. Und diesen Rhythmus habe ich dann tatsächlich noch gefunden. Waren eben meine Reserven anscheinend aufgebraucht, kam jetzt doch noch der Kampfgeist durch. Ich wurde immer schneller. Den letzten Kilometer bin ich mit einer Pace von 4:12 min/km gelaufen. Den einen „Überholer“ konnte ich noch einsammeln und mit dem anderen bin ich zeitgleich über die Ziellinie gelaufen.

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Ich bin direkt in die Arme von Petra gelaufen, die erst kurz vor mir am Ziel war. Sehr glücklich und zufrieden!

Laut meiner Pulsuhr waren es knapp über 50 Kilometer. 1.295 Höhenmeter in Aufstieg. Für die Strecke habe ich 4:17:53 Stunden gebraucht. Gesamtrang 11 und in der Altersklasse M40 bedeutet dies Platz 2.

Nach dem Duschen und einem Teller Erbsensuppe mit Bockwurst hat mich Petra wieder nach Hause chauffiert. Jetzt erst kam der Regen.

Dass das Ganze kein Kinderspiel war, sagen mir gerade meine Beine. Überall Muskelkater. So extrem war der schon lange nicht mehr.

Die letzten kleinen Anstiege am Ende haben gezeigt, dass ich noch etwas trainieren muss und die richtige Einteilung der Kraftreserven schwierig bleibt. Ein kleiner Hügel wird schnell zu einem riesigen Berg. Meine „zweite Luft“ auf den letzten flachen Kilometern gibt mir jedoch Zuversicht für die weiteren Trails.

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