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von Thorsten

Ilsenburg01Als ich im Sommer hörte , dass in diesem Jahr die Deutschen Meisterschaften im Berglauf nicht im Süden der Republik , sondern im Harz ausgetragen werden, habe ich mich entschlossen, dies als einen Saisonhöhepunkt zu betrachten und zielgerichtet darauf zu trainieren. In enger Abstimmung mit Martin wurde laufend der Trainingsplan aktualisiert. Mir war schon klar, dass ich als Flachländer schon extreme Nachteile haben werde – wo gibt’s denn hier bei uns bloß Berge? In der Vorbereitungsphase bin ich einmal in den Harz gefahren und der Sommerurlaub wurde als „Trainingslager“ in den Alpen umfunktioniert. Aber die täglichen Einheiten fanden hier zuhause statt.

In der Regel bestand die Vorbereitung aus sechs Trainingseinheiten in der Woche (2 x Laufen, 1x Schwimmen, 1 x Radfahren, 1 x Koppeltraining – oder einem Triathlonwettkampf am Wochenende).

Grundsätzlich war ich fit und fühlte mich gut vorbereitet. In Gedanken sah ich schon eine gute Platzierung vor mir. Der Blick auf die Anmeldeliste ein paar Tage vor dem Start der Meisterschaften zeigte mir jedoch, dass es kein kleiner Kreis von „verrückten“ Trailrunnern war, die an diesem Berglauf teilnahmen. Über 350 Sportler hatten sich angemeldet. Und, wie schon vermutet (oder befürchtet) überwiegend von Vereinen aus „Bergregionen“. Wo werde ich mich wohl einordnen können?

Am Wettkampftag habe ich morgens um 6 Uhr Martin abgeholt und wir sind zusammen nach Ilsenburg gefahren. Das Wetter war sonnig und schön. Gleichzeitig mit der Deutschen Meisterschaft fand auch der Brockenlauf statt. Beim Brockenlauf (der älteste Berglauf Deutschlands) laufen die Teilnehmer über den Brocken und wieder zurück nach Ilsenburg. Für uns war der Brockengipfel das Ziel. 11,7 km nur bergauf, 890 Höhenmeter galt es zu bezwingen.

Wir sind pünktlich in Ilsenburg angekommen. Martin drehte mit seinem MTB eine Runde im Harz und wollte mich im Ziel anfeuern. Ich begann mich langsam warm zu laufen. Und dann? Ich glaube mein Mund öffnete sich zwischenzeitlich vor lauter Staunen. Viele Athleten „flogen“ schon beim Warmmachen nur so die Steigungen im Ort hinauf. Das sah irgendwie anders aus als erwartet. Solch eine Dynamik und Schnelligkeit hatte aus dieser Nähe noch nicht bestaunen können.

Kurz vor dem Start um 9.30 Uhr reiten wir uns auf. Ich war auf den Wettkampf fokussiert, habe mir noch ein letztes Mal vor Augen geführt, was ich mir vorgenommen hatte. Mein Erstaunen über die Konkurrenz konnte ich ausblenden. Was hatte ich mir vorgenommen?

Ich wollte bei dem Lauf mein Bestes geben und um jede Platzierung kämpfen – egal, wo ich mich im Feld befand.

Ilsenburg02Der Startschuss. Überraschungen? (Leider) Nein! Der Großteil der Athleten ist mit einem unglaublichen Tempo losgelaufen. Ca. 3,5 km ging es über Kopfsteinpflaster in den Harz hinein. Während dieser Strecke hat sich das Feld schon gut sortiert. Als es dann auf die technischen Single-Trails ging war kaum noch Gedränge. Ich hatte meine Pulsuhr im Blick und machte Druck, sodass mein Puls immer im Wettkampfbereich blieb. Auf diesen technisch anspruchsvollen Passagen konnte ich jetzt sogar noch ein paar Plätze gut machen. Zwischenzeitlich dann wieder ein Forstweg. Abschließend kam DIE MÖRDERPASSAGE. 20 % Steigung kurz vorm Brockengipfel (s. Foto). Untergrund: die Betonplatten des Kolonnenweges. Überholen fand hier kaum noch statt. Jeder versuchte nur irgendwie das Brennen seiner Oberschenkel zu ignorieren!

Nach 1:06 Stunde war ich im Ziel! Gesamtplatz 100. Das klang zwar zunächst etwas ernüchternd, aber zum Glück hatte ich die Aufzeichnung meiner Pulsuhr und die zeigte mir: maximale Pulswerte, vom ersten bis zum letzten Kilometer. Außerdem bin ich selbst das letzte steile Stück noch relativ kraftvoll gelaufen. Für mich war das ein guter Wettkampf – ohne die intensive Vorbereitung wäre es sicherlich anders gelaufen. Dass bei einer DEUTSCHEN MEISTERSCHAFT nun auch tatsächlich die Besten aus Deutschland starten – war mir jetzt auch klar.

Ilsenburg03Nach dem Wettkampf habe ich noch ein paar Topplatzierte gegoogelt. Siegerin bei den Damen ist z.B. Lisa Oed geworden – aktuell die beste europäische Juniorin beim 3.000 m Hindernislauf. Sie ist übrigens in 58 min den Brocken hochgesprintet (5 min/km). Die besten vier Männer waren alle unter 52 min auf dem Gipfel. Das ist eine Pace von weniger als 4:30 min/km!

Fazit: Ich habe mich nicht irritieren lassen und bin mein Rennen gelaufen. Ich bin kraftvoll und dynamsich in meinem Leistungsbereich den Brocken hoch gekommen. Und konnte oben dann sogar noch einen guten „Weitblick“ genießen. Nach einer kurzen Kaffespause gings laufend -neben den Teilnehmern des Brockenlaufes- wieder zurück nach Ilsenburg.

Auf dem Marktplatz habe ich mit Martin noch eine Bratwurst gegessen, geduscht und dann ging es wieder mit dem Auto Richtung Heimat.

   
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